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- Angewiesenheit
- Ambivalenz
- Erkennen
- Erfolg
- Ethos
- Geduld
- Glauben
- Kreativität
- Loslassen
- Nichtwissen
- Perspektive
- Selbstwert
- Suchen
- Umdeuten
- Umweltbeobachten
- Wählen
- Wirklichkeit
Angewiesenheit
Ein mächtiger Löwe legte sich einmal in den Schatten eines Baumes, weil es sehr heiß war. Er schlief gleich ein. Viele Mäuschen kamen angelaufen, als sie den König der Tiere schnarchen hörten. Da sich der Löwe nicht bewegte, sprang eine der Mäuse zwischen die Pranken des Löwen. Bald wurden auch die anderen Mäuse mutig und tanzten auf der schlafenden Großkatze herum. Als der mächtige Löwe plötzlich erwachte, schnappte er schnell die Maus mit seiner kräftigen Pranke. Die Maus zitterte vor Angst, versuchte es aber nicht zu zeigen. „Mächtiger Löwe!“, rief sie mit einer möglichst mutig klingenden Stimme. „Verschone mich, ich bin noch zu jung zum Sterben! Wenn du mir die Freiheit gibst, werde ich dir auch einmal einen Dienst erweisen. Rufe mich, wenn du etwas brauchst!“, ergänzte sie. Zuerst war der Löwe ganz verdutzt und musste laut lachen. „Du, Winzling willst mir helfen? Ich bin doch viel, viel stärker und größer als du “, sagte er mit lachender Stimme. Was sollte so ein Winzling dem mächtigen Löwen bloß nützen? Der große Löwe ließ die kleine Maus laufen und legte sich wieder zum Schlafen nieder.
Nach ein paar Tagen hörte die Maus ein ganz verzweifeltes, lautes Brüllen des Löwen und kam um nachzusehen. O Schreck! Der König der Tiere war in eine Netzfalle getappt und lag traurig da. „Du hast mich gerufen“, sagte die Maus. „Und jetzt bin ich dir zu Hilfe gekommen“, ergänzte sie. „Das ist lieb von dir “, sprach der Löwe traurig. „Aber du kannst mir jetzt auch nichts nützen. Gleich kommen die Jäger und töten mich“, vollendete er. Doch die Maus wusste wie sie dem Löwen helfen konnte und fing an mit ihren spitzen Zähnchen am Netz zu nagen. Bald konnte der Löwe das Netz zu Ende zerreißen und war somit frei. Schließlich bedankte er sich bei der Maus und sie wurden beste Freunde.
Ambivalenz
Ein alter Indianer sitzt mit seinem Sohn am Lagerfeuer und spricht:“Mein Sohn, in jedem von uns tobt ein Kampf zwischen 2 Wölfen. Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Neid, Eifersucht, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst. Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.”Der Sohn fragt: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt?“Der alte Indianer schweigt eine Weile. Dann sagt er: „Der, den du fütterst.“Erkennen
Ein Mann – so wird erzählt – fing sich im Wald einen jungen Adler. Er nahm ihn mit nach Hause und steckte ihn zu seinen Hühnern in den Hühnerstall. Er gab ihm Hühnerfutter zu fressen, obwohl er doch ein Adler war, der König der Vögel, der König der Lüfte! Nach fünf Jahren kam einmal ein anderer Mann zu Besuch, der verstand etwas von Naturkunde. Dem fiel der Adler auf und er sagte: "Der Vogel dort ist kein Huhn, sondern ein Adler.“ "Ja“, sagte der Mann, "das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn.“ "Nein“, sagte der andere, "er ist noch immer ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers und das wird ihn hoch hinauf fliegen lassen in die Lüfte“. "Nein, nein“, sagte der Mann, "er ist jetzt ein richtiges Huhn geworden und wird niemals mehr wie ein Adler fliegen“.
Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der vogelkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: "Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde, breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler auf der hoch gestreckten Faust blickte sich um. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken und er sprang zu ihnen hinunter und pickte mit.
Der naturkundige Mann gab aber noch nicht auf. Am nächsten Tag stieg er mit dem Adler am Arm auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: "Adler, der du ein Adler bist, breite deine Schwingen aus und fliege!“ Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hof erblickte, sprang er zu ihnen hinunter und scharrte mit. Da sagte der Mann: "Ich habe es dir ja gesagt, er ist ein Huhn und er bleibt ein Huhn.“ "Nein“, sagte der andere, "Er ist ein Adler und er hat noch immer das Herz eines Adlers. Lass es uns noch ein einziges Mal versuchen. Morgen werde ich ihn fliegen lassen.“
Am nächsten Morgen ging er mit dem Adler vor die Stadt auf einen hohen Berg. Er hob den Adler empor und sagt zu ihm: "Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel, nicht dieser Erde. Breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler zitterte, aber er flog nicht. Da ließ ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen und plötzlich breitete der Adler seine Schwingen aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers in die Luft und kehrte nie wieder zurück.
Erfolg
In einer abgeschiedenen ländlichen Gegend Südeuropas sitzt ein Fischer am flachen Meeresstrand und angelt mit einer alten, herkömmlichen Angelrute. Ein reicher Unternehmer, der sich einen einsamen Urlaub am Meer gönnt, kommt auf einem Spaziergang vorbei, beobachtet den Fischer eine Weile, schüttelt den Kopf und spricht ihn an. Warum er hier angle, fragt er ihn. Draußen, auf den felsigen Klippen könne er seine Ausbeute doch gewiss verdoppeln. Der Fischer guckt ihn verwundert an.
»Wozu?«, fragt er verständnislos. Na, die zusätzlichen Fische könne er doch am Markt in der nächsten Stadt verkaufen und sich von den Einnahmen eine neue Fiberglasangel und den hoch effektiven Spezialköder leisten. Damit ließe sich seine Tagesmenge an gefangenem Fisch mühelos noch einmal verdoppeln. »Und dann?«, fragt der Fischer, weiterhin verständnislos. Dann, entgegnet der ungeduldig werdende Unternehmer, könne er sich bald ein Boot kaufen, hinausfahren ins tiefe Wasser und das Zehnfache an Fischen fangen, sodass er in kurzer Zeit reich genug sein werde, sich einen modernen Hochseetrawler zu leisten! Der Unternehmer strahlt, begeistert von seiner Vision. »Ja«, sagt der Fischer »und was tue ich dann?«
Dann, schwärmt der Unternehmer, werde er bald den Fischfang an der ganzen Küste beherrschen, dann könne er eine ganze Fischfangflotte für sich arbeiten lassen. »Aha«, entgegnet der Fischer, »und was tue ich, wenn sie für mich arbeiten?« Na, dann könne er sich den ganzen Tag lang an den flachen Strand setzen, die Sonne genießen und angeln. »Ja«, sagt der Fischer, »das tue ich jetzt auch schon.«
Ethos
Ein furchtbarer Sturm kam auf. Der Orkan tobte. Das Meer wurde aufgewühlt und meterhohe Wellen brachen sich ohrenbetäubend laut am Strand. Nachdem das Unwetter langsam nachließ, klarte der Himmel wieder auf. Am Strand lagen aber unzählige von Seesternen, die von der Strömung an den Strand geworfen waren. Ein kleiner Junge lief am Strand entlang, nahm behutsam Seestern für Seestern in die Hand und warf sie zurück ins Meer.
Da kam ein Mann vorbei. Er ging zu dem Jungen und sagte: “Du dummer Junge! Was du da machst ist vollkommen sinnlos. Siehst du nicht, dass der ganze Strand voll von Seesternen ist? Die kannst du nie alle zurück ins Meer werfen! Was du da tust, ändert nicht das Geringste!”Der Junge schaute den Mann einen Moment lang an. Dann ging er zu dem nächsten Seestern, hob ihn behutsam vom Boden auf und warf ihn ins Meer. Zu dem Mann sagte er: “Für ihn wird es etwas ändern!”
(Porter. Entdecke dein Gehirn. Bewußtseins-Technologien für das 21. Jahrhundert)
Geduld
Der tibetische Meister Atisha, ein bedeutender Reformer des Buddhismus, lebte etwa 900 m. Chr. Er hatte einen indischen Diener, der sich ihn immer gegenüber sehr respektlos und verächtlich verhielt. An allem hatte er etwas auszusetzen. Mit seiner unablässigen Nörgelei machter er den anderen Schülern Atishas das Leben schwer.
Deshalb sagten sie zu ihrem Meister: „Schick ihn doch weg, entlasse ihn, er ist für dich und für uns nur ein Quälgeist!“ Atisha antwortete: „Sagt das nicht! Ich bin froh, dass sich dieser Mann als Objekt für meine Geduldsübungen zur Verfügung stellt. Wie sollte ich diese Vollkommenheit üben, wenn ich ihn nicht hätte?“
Glauben
Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein
Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein, oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel.
Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.
Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht, und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel.
Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel, groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein – es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.
(Rudolf Otto Wiemer)
Kreativität
„Es begab sich zu einer Zeit, als die Menschen wegen Schulden noch im Kerker bei Wasser und Brot schmachten mussten. Ein Händler in Köln hatte das Unglück, einem Geldverleiher einer großen Summe des Geldes zu schulden. Das Schiff mit den Waren, die er im Morgenland bestellt hatte, war verschollen, und nun wusste er nicht, wie er die Schulden zurückzahlen sollte.
Der Geldverleiher, ein hässlicher Kerl, wollte die Tochter des Händlers zu seiner Gemahlin machen. Er unterbreitete dem Händler folgenden Vorschlag: Er erließe ihm alle Schulden, würde ihm dieser seine schöne junge Tochter zur Frau geben.
Da Vater und Tochter ob dieses Vorschlages entsetzt waren, schlug der Geldverleiher vor, die Vorsehung entscheiden zu lassen. Er sagte, er würde in einen Beutel einen schwarzen und einen weißen Kieselstein legen. Die Tochter müsse in den Beutel greifen und einen Stein herausnehmen. Wenn sie den schwarzen Stein ziehen würde, müsste sie seine Frau werden und dem Vater seien alle Schulden getilgt. Ziehe sie den weißen Stein, sei sie frei, und dem Vater würden ebenfalls alle Schulden erlassen. Würde sie sich jedoch weigern, müsste der Vater im Gefängnis bei Wasser und Brot darben.
Die beiden willigten ein, denn es schien keinen anderen Ausweg zu geben. Während sie sich im Garten des Geldverleihers unterhielten, bückte sich der Verleiher und hob zwei Kieselsteine auf. Die Tochter beobachtete ihn ängstlich und sah, dass er zwei schwarze Steine in den Beutel tat. Dann bat er das Mädchen, den Stein zu ziehen, der über ihr und das Schicksal ihres Vaters entscheiden würde.
Die Tochter steckte ihre Hand in den Beutel und zog einen Stein heraus. Ohne ihn zu zeigen, ließ sie ihn sofort auf den Boden fallen, wo er zwischen all den anderen schwarzen und weißen Kieselsteinen verschwand. ‚Oh, wie ungeschickt von mir’, sagte sie. ‚Aber eigentlich macht das ja nichts, denn wir brauchen ja nur in den Beutel zu schauen, um zu sehen, welcher Stein übrig ist.’ Da der Stein, der sich noch im Beutelb efindet, schwarz ist, muss angenommen werden, dass derjenige, den sie gezogen und fallen gelassen hat, weiß war. Der Geldverleiher muss dem zustimmen, denn ansonsten müsste er seinen Betrugsversuch zugeben.“
(Quelle Edward de Bono)
Loslassen
Ein Prinz, der voller Leidenschaft für außergewöhnliche Dinge war, ließ eines Tages all seine Berater zu sich rufen. "Ich träumte von einem Ring", erzählte er, "der die Fähigkeit hatte, mich fröhlich zu stimmen, wenn ich traurig war, aber er machte mich auch ein wenig traurig, wenn ich fröhlich war." Und er verlangte, dass man ihm solch einen Ring herstellte. Weder die Berater noch die Minister oder der Juwelier wussten, wie man dies anstellen sollte. So rief man den Meister der Weisheit. Dieser nahm einen einfachen Goldring und ließ folgende Worte eingravieren: "Alles geht vorbei."
Peseschkian
Reisaffen sind possierlich, kleine Tiere aus China, die die Menschen immer fangen wollten. Los waren die viel listiger und schlauer und waren schon auf den Bäumen, bevor sie gefangen wurden. Bis ein älterer Chinese einen schlauen Einfall hatte: er sammelte Kokosnüsse und Schnitt ein kleines Loch hinein. So groß, dass die Hand eines Affen gerade hineinpasste, und erfüllte sie mit Reis und legte die Kokosnüsse aus und versteckte sich in der Nähe hinter einem Busch. Und es dauerte nicht lange, bis der erste Affe ankam und seine Hand in den Nuss steckte, um an den Reis zukommen. Und dann merkte er, dass er seine faustvoller Reis nicht mehr aus der Nuss heraus bekam, weil er den Reis behalten wollte.
Bassmann und Wester (1984)
Nichtwissen
Glück oder Unglück, wer weiss das schon...? - Eines Tages lief einem armen alten Bauern sein einziges Pferd davon und kam nicht mehr zurück. Da hatten die Nachbarn grosses Mitleid mit dem Bauern und sagten: „Du Ärmster! Dein Pferd ist Dir weggelaufen - welch ein Unglück!“
Der Bauer aber antwortete ruhig: „Glück oder Unglück, wer weiss das schon...?“ - Und tatsächlich kehrte nach einigen Tagen das Pferd zurück und brachte ein Wildpferd mit. Jetzt sagten die Nachbarn: „Ha, erst läuft dir das Pferd weg - dann bringt es noch ein zweites mit! Was hast du bloss für ein Glück!“ Der Bauer schüttelte den Kopf und sagte: „Glück oder Unglück, wer weiss das schon...?“ Das Wildpferd wurde vom ältesten Sohn des Bauern eingeritten; dabei stürzte er unglücklich und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und klagten: „Welch ein Unglück!“
Aber der Bauer gab zur Antwort: „Glück oder Unglück, wer weiss das schon...?“ Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs und zogen alle jungen Männer des Dorfes für den Kriegsdienst ein. Den ältesten Sohn des Bauern liessen sie zurück – denn wegen seinem gebrochenen Bein, war er ihnen nicht von Nutzen... Da riefen die Nachbarn: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde als einziger nicht eingezogen!“ Fazit: Glück und Unglück wohnen stets eng beisammen, wer weiss schon immer sofort, ob ein Unglück nicht doch ein Glück ist?
Christian Morgenstern (1871-1914)
Perspektive
Im Fach Sozialwissenschaften hielt der Professor ein schwarzes Buch hoch und sagte: „Dieses Buch ist rot!“
Die ganze Klasse protestierte einstimmig und rief: „Nein!“ Der Professor seinerseits beharrte darauf und sagte: „Doch, ist es!“
Und die Klasse wiederholte lautstark: „Nein, das ist nicht richtig!“ Er drehte das Buch um und die Rückseite war rot.
Der Professor blickt ein die beschämten Gesichter seiner Schüler und meinte: „Sage niemals jemanden, er liege falsch, solange Du die Dinge nicht aus seiner Perspektive gesehen hast.“
Selbstwert
„Meister, ich bin zu dir gekommen, weil ich mich so wertlos fühle. Meister, alles was ich anstelle, mache ich falsch, ich bin so ungeschickt. Meister, was kann ich tun, damit die Leute eine höhere Meinung von mir haben? Meister, wie kann ich ein besserer und ein erfolgreicher Mensch werden?“
Der weise Alte sieht ihn gar nicht an, er ist sehr beschäftigt und scheinbar mürrisch meint er, dass er selbst Hilfe bei einem Problem braucht und bevor das Problem nicht gelöst ist, könne er dem jungen Mann nicht helfen. Schließlich allerdings hält er kurz inne und meint, es wäre ja gut, wenn der junge Mann ihm zuerst bei seinem Problem helfen würde, dann könne er sich ganz und gar ihm widmen. Der junge Mann willigt ein und so erklärt ihm der Meister: „Ich habe hier einen Ring, den muss ich verkaufen. Ich habe bei jemandem eine Schuld zu begleichen und dieser Ring soll dazu dienen. Nimm also bitte mein Pferd aus dem Stall und reite auf den Markt und verkaufe für mich diesen Ring. Aber gib acht, dass du ihn nicht für weniger als ein Goldstück verkaufst. Das ist der Preis, den ich brauche.“
Der junge Mann reitet los und bietet den Ring auf dem Markt verschiedenen Händlern an. Manche scheinen interessiert, aber keiner ist bereit, den Preis von einem Goldstück zu bezahlen. Einige lachten, als sie davon hörten. Andere wandten sich einfach wortlos und bitter ab. Ein dritter erklärte dem jungen Mann höflich, dass ein Goldstück viel zu wertvoll sei, es gegen diesen Ring einzutauschen. Er bot ihm ein Silberstück an, aber der Junge hatte ja Anweisung, mit nicht weniger als einem Goldstück zurück zu kehren.
Niedergeschlagen, vor allem weil er sich jetzt um die Hilfe des Meisters bei seinem eigenen Problem gebracht sah, kehrte er zurück: „Meister, es tut mir leid. Das, worum du mich gebeten hast, kann ich unmöglich leisten. Vielleicht hätte ich zwei oder drei Silberlinge für den Ring bekommen können. Es ist mir jedoch nicht gelungen, jemanden über den wahren Wert des Ringes hinwegzutäuschen.“
„Was du sagst, ist sehr wichtig, mein junger Freund“, antworte der Meister mit einem Lächeln. „wir müssen zuerst den wahren Wert des Rings in Erfahrung bringen. Steig wieder auf das Pferd und reite noch einmal in die Stadt. Aber nicht auf den Markt, sondern zum Goldschmied. Wer könnte den wahren Wert des Ringes besser einschätzen als er? Sag ihm, dass ich den Ring verkaufen möchte und frag ihn, wieviel er dir dafür geben möchte. Aber was immer er dir auch bietet: Du verkaufst ihn noch nicht. Kehr erst mit dem Ring zu mir zurück.“ Der Junge machte sich also erneut auf den Weg – zu dem Goldschmied.
Dieser untersuchte den Ring im Schein einer Lampe, er besah sich den Stein durch eine Lupe, er wog den Stein und polierte ihn anschließend noch einmal, bevor er ihn erneut eingehend betrachtete: „Mein Junge, richte deinem Herrn aus, wenn er ihn gleich verkaufen will, kann ich ihm nicht mehr als 58 Goldstücke für seinen Ring geben. Mit etwas Geduld sind jedoch bis zu 70 Goldstücke dafür zu bekommen, aber bei einem Notverkauf…“
Der junge Mann eilte zu dem weisen Mann zurück und berichtete aufgeregt von dieser Antwort. Der Alte lächelte und bat ihn: „Setz dich und sieh, das ist auch die Antwort auf deine Frage: Du bist wie dieser Ring – ein Schmuckstück, kostbar und einzigartig. Und genau wie bei diesem Ring kann nicht jeder deinen wahren Wert erkennen. Nur ein Fachmann ist dazu in der Lage. Warum irrst du also durch dein Leben und erwartest, dass jeder X-beliebige um deinen Wert weiß?“ - Und noch während er dies sagte, streifte sich der alte Mann den Ring wieder über den Finger seiner linken Hand.
Suchen
Der Mullah hatte einen Schlüssel verloren und lief nachts ständig um die Lampe auf der Straße herum. Ein Mann fragte ihn: »Was machst Du da?« Der Mullah sagte: »Ich suche meinen Schlüssel«. Der Mann half beim Suchen. Nach einer Zeit fragte er: »Mullah, wo hast Du den Schlüssel verloren?» «Im Haus!« »Warum suchst Du denn dann hier?» «Du musst zugeben, hier ist es wenigstens hell!»
z.n. Dirk Revenstorf
Umdeuten
Es war einmal ein Wettrennen der Frösche. Sie sollten die Spitze eines hohen Turms erreichen. Viele Leute versammelten sich, um zuzuschauen und sie zu unterstützen. Das Rennen begann. Die Leute glaubten nicht, dass die Frösche fähig wären, den Gipfel zu erreichen. Sie brüllten: »Was für eine Strapaze! Sie werden niemals oben ankommen!« Die Frösche wurden mutlos, außer einem, der weiterkletterte. Die Leute brüllten wieder: »Was für eine Strapaze! Sie werden niemals oben ankommen!« Alle Frösche gaben auf.
Alle, außer dem kleinen Frosch, der nicht aufhörte zu klettern. Allein, um den Preis einer riesigen Kraftanstrengung, erreichte er die Turmspitze. Als der kleine Frosch zu den anderen Fröschen hinunterkam, näherte sich einer, um ihn zu fragen, wie er es geschafft hätte, das Rennen zu Ende zu bringen. Er entdeckte, dass der kleine Frosch taub war!
Verf. unbekannt
Umweltbeobachten
Fall 1:
Man nehme eine Wasserschale, fülle diese mit Wasser und erwärme das Wasser so lange, bis dieses zu kochen beginnt. Nun nehme man einen Frosch und animiere diesen, in das kochende Wasser zu springen. Wie zu erwarten ist, wird der Frosch versuchen, so schnell wie möglich aus der Wasserschale zu springen, spürt er doch unmittelbar und in aller Deutlichkeit, dass Leib und Leben gefährdet sind.
Fall 2:
Man nehme erneut eine Wasserschale und fülle diese abermals mit Wasser. Nun befördere man den Frosch in das lauwarme Wasser. Während der Frosch in der Wasserschale verharrt, erhöht man nun sukzessive die Wassertemperatur, bis sich diese dem Siedepunkt nähert. Was passiert? Überraschenderweise gar nichts! Anstatt fluchtartig mit einem Sprung das nahezu kochende Wasser zu verlassen, gibt der Frosch alle Anzeichen des Wohlgefühls von sich. Das tragische Ende der Geschichte: Der Frosch beginnt bei lebendigem Leibe zu kochen, ohne es auch nur zu merken.z.n. Dirk Baecker
Wählen
Ein Airbus 380 ist auf dem Weg über den Atlantik. Er fliegt konstant bei 800km/h in 30.000 ft., als plötzlich ein Eurofighter-Jet auftaucht. Der Pilot des Kampfflugzeugs verlangsamt sich, fliegt am Airbus entlang und begrüßt den Piloten des Passagierflugzeugs per Funk: "Airbus-Flug, ein langweiliger Flug, nicht wahr? Passt auf und schaut her" Er rollt seinen Jet auf den Rücken, beschleunigt, durchbricht die Schallmauer, steigt schnell auf die Höhe, nur um sich fast auf Meereshöhe zu begeben. Er fliegt schlendernd neben den Airbus zurück und fragt:" Nun, wie war das?"
Der Airbus-Pilot antwortet: "Sehr beeindruckend, aber jetzt schau mal hier!" Der Jet-Pilot beobachtet den Airbus, aber es passiert nichts. Er fliegt weiterhin hartnäckig geradeaus, mit gleicher Geschwindigkeit. Nach 5 Minuten funkte der Airbus-Pilot: " Nun, was sagst du jetzt?" fragt der Jet-Pilot verwirrt: "Was hast du getan?" Der andere lacht und sagt: "Ich stand auf, streckte mich an den Beinen aus, ging zur Rückseite des Fluges ins Badezimmer, holte eine Tasse Kaffee und einen Zimtkuchen.
(Adel Reyhani - übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)
Wirklichkeit
In einer Fußgängerzone steht ein Mann und klatscht alle 10 Sekunden in die Hände. Als ein Passant ihn fragt, was er denn tue, antwortet er: „Ich vertreibe die wilden Elefanten“.
Erstaunt entgegnet der Passant: „Aber hier sind doch gar keine Elefanten.“ Worauf der klatschende Mann zufrieden lächelt und feststellt: „Sehen Sie, das Klatschen wirkt!“.
Paul Watzlawick
